Zum besseren Verständnis der palliativen Physiotherapie soll
im Folgenden auf deren Ursprung und Entwicklung eingegangen werden.

Hospiz- und Palliativpflegebehandlungen reichen mehrere
hundert Jahre zurück, aber die Modernisierung von Hospiz und
Palliativversorgungen begann in London in den 1960er Jahren. Cicley Saunders
gilt als Begründer der modernen Hospizbewegung und damit auch als Initiatorin
des aktuellen Konzepts der Palliativmedizin. Sie arbeitete zunächst als
Krankenschwester, Sozialarbeiterin und später als Ärztin.  In der Zeit, in der der Tod zunehmend
tabuisiert wurde, beschäftigte sie sich, mit der Verbesserung der Versorgung
unheilbar kranker und sterbender Patienten. In 1967 gründete sie das
Christopher’s Hospiz in Sydenham, London, das zum Vorbild für unzählige Hospiz-
und Palliativpflegedienste in Großbritannien und in mehr als 90 weiteren
Ländern wurde. Durch ihre Initiative, erhielten unheilbar kranke und sterbende
Patienten eine spezialisierte medizinische und Pflegerische Behandlung mit
emotionaler, spiritueller und sozialer Unterstützung. Seitdem wurde diese
Praxis weltweit aufgegriffen und weiterentwickelt (B. Braun
Sharing Expertise, 2017)

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Ende der 1960er Jahre gab es erste Kontakte von Seelsorgern
und Ärzten zu britischen Hospizen in Deutschland. Im Jahr 1983 wurde an der
Chirurgischen Klinik der Universität Köln unter der Leitung von Professor
Pichlmaier der erste “Station für palliative Therapie” eröffnet. In
Jahr „1994 wurden die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin als
wissenschaftliche Fachgesellschaft sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz
als Dachverband der Hospizbewegung gegründet. 2009 wurde in Bayern das
Fachprogramm „Palliativversorgung in Krankenhäusern” des bayerischen
Krankenhausplanes erweitert: Neben den bisherigen Regelungen zu
Palliativstationen wurden neu palliativmedizinische Dienste eingeführt, um
sicher zu stellen, dass auch Krankenhäuser ohne eigenständige Palliativstationen
eine qualifizierte Palliativversorgung anbieten und finanzieren können. Diese
Einrichtungen haben anstelle einer abgeschlossenen therapeutischen Einheit
multiprofessionelle palliativmedizinische Dienste etabliert, die Patienten,
Angehörige und Behandlungsteams anderer Fachdisziplinen unterstützen und
beraten” (Lins, 2011).

Die aktive Entwicklung der Palliativmedizin in Deutschland
und in anderen europäischen Ländern erweiterte den Praxisbereich und auf diesem
Grund, wurde in Jahr 1999 die Arbeitsgruppe “Physiotherapie in der
Palliativmedizin” der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
unter der Direktion von Peter Nieland in Bonn gegründet. Es wurde auch Weiter-
und Fortbildungen entwickelt, um die schon vorhandenen Weiterbildung für Ärzte,
und andere Fachkräfte der Palliativmedizin auszugleichen. In verschiedenen
Städten können Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Weiterbildungskurse
besuchen, die vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) anerkannt sind (Mehne, 2009). Physiotherapeuten
lernen, die Bedürfnisse der Patienten und ihrer Familien zu erkennen und zu
respektieren. Sie sind in der Lage, die Ressourcen des Patienten zu aktivieren
und zu erweitern, deren Wohlbefinden zu sichern und die zu unterstützen. Sie kennen
die Grenzen des menschlichen Lebens und die Akzeptanz dieser Tatsache lernen
und integrieren Familie und Freunde des Patienten in das Therapiekonzept.
Einige Fähigkeiten von Physiotherapeuten in der Palliative Care sind:

·        
Die Patientenvorbereitung für medikamentöse,
chirurgische und strahlentherapeutische Therapien

·        
Die Begleitung von Patienten bei anderen
gängigen Therapien, einschließlich der Behandlung von primären oder sekundären
Nebenwirkungen.

·        
Die Behandlung von Schmerzsymptomen, die in
diesem Zusammenhang eine der Hauptanwendung der Physiotherapie ist.

·        
Nach der medikamentösen Therapie, der
Regeneration des Patienten oder der Unterstützung des Transfers in den
ambulanten, häuslichen Bereich.

1.2    
Aktueller Forschungsstand von Dittus, et al. (2017)

Dittus, et al. haben ein Review im Jahre 2017
veröffentlicht, wo sie die Wirksamkeit des Trainings als Intervention bei
Patienten mit fortgeschrittenen Krebsformen anhand publizierten Studien
untersuchten. Ihr Ziel war es, die Charakteristika und Vorteile von körperlichen
Aktivitäten bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs zu identifizieren, wobei
der Schwerpunkt auf der Beurteilung der aeroben Fitness, der Kraft, der
körperlichen Funktion, der Fatigue und der Lebensqualität lag. Wenn verfügbar,
untersuchten die Autoren zusätzlich die Durchführbarkeit von Trainingsmaßnahmen
für diese Population. Für diesen Zweck wurden Studien in den Datenbanken Ovid
Medline, CINAHL und Pubmed gesucht, die zwischen 2004 und März 2017 publiziert
wurden. Die Suchbegriffe waren: advanced or metastatic, cancer or neoplasm and
exercise or physical activity sowie die folgenden Einschlusskriterien: englischsprachige
Artikel, randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), einarmige Prä- / Post-Interventions-Studien,
pragmatische Studien sowie prospektive Kohorten-Studie. Die Autoren schlossen
zudem Studien ein, in denen eine Intervention mit einer Bewegungskomponente
getestet wurde und bei der mindestens ein Drittel der Stichprobenpopulation Krebs
im fortgeschrittenen Stadium aufwies. Outcomes waren Parameter der körperlichen
Leistungsfähigkeit einschließlich aerobe Fitness, Kraft und Standardmaße der
körperlichen Funktion als Fatigue.

Daher wurden insgesamt 26 Artikel ausgewählt, die die Einschlusskriterien
erfüllten. Die Tabelle (im Anhang S. xv bis xii), enthält alle Informationen,
die dem systematischen Review von Dittus K.L. et al 2017 zu entnehmen waren.

Zusammenfassend zeigten Studien, bei denen die aerobe
Kapazität vor und nach einer Trainingsintervention gemessen wurde, bei 73,7% der
Studien (14 von 19 Studien) eine signifikante Verbesserung, während 26,3% (5
von 19) keine Veränderung zeigten. Bei Studien, bei denen die Kraft gemessen
wurde, erhöhte sich die Kraft nach der Intervention in 11 von 12 Studien
(91,7%) signifikant. 100% der Studien zeigten eine gewisse Steigerung der
körperlichen Funktion, obwohl die Ergebnismaße sehr unterschiedlich waren. Was
die Ergebnisse über die Fatigue betrifft, konnte in RCT-Studien eine Minderung
der Fatigue in der interventionsgruppe im Vergleich zu der Kontrollgruppe nicht
eindeutig identifiziert werden. Aber es wurden jedoch innerhalb der
Interventionsgruppe überwiegend deutliche Minderung der Fatigue nach der
Intervention festgestellt. Neunzehn Studien (n = 9 RCTs und n = 10 einarmige
Studien) untersuchten die Vorteile von Bewegung zur Verbesserung der
Lebensqualität bei Personen mit fortgeschrittenem Krebs. Insgesamt 10 Studien
(52,6%) identifizierten eine Steigerung der Lebensqualität, während 9 (47,4%)
keine identifizierten. Dies kann damit zusammenhängen, dass die Anzahl der
Teilnehmer bei den 10 Studien höher war und deshalb das Ergebnis deutlicher war.

Der Prozentsatz der Personen, die an den überprüften Studien
bis zum Ende teilnahmen, lag zwischen 26 und 86% (durchschnittlich 49%). Laut
Dittus et al. scheinen Patienten mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium ein
unterschiedliches Interesse und Bedürfnis an sportbezogenen Interventionen zu
haben. Die Programmevaluationen meldeten den höchsten Rückgang bei 30 bis 61%.
Die Adhärenz an der Trainingsintervention, die mit Hilfe der Teilnahme an
Training-Sitzungen beurteilt wurde, variierte von 65% bis 95% in den 12
Studien, die Adhärenz berichteten.

x

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